In den Jahren 1988 bis 1990 sind viele Moringer auf ihrem Weg zur
Arbeit oder von der Arbeit, oder aus anderen Anlässen, Richtung Göttingen (Süden)
gefahren. Vor Großenrode, entlang der Kreisstraße, waren auf den Feldern, direkt vor
Großenrode, überwiegend junge Menschen auf den Feldern tätig, dabei war aber keine
Erntetätigkeit zu erkennen. Viele haben sich sicher gefragt, was wird hier eigentlich
gemacht?
Geplant war der Ausbau der Kreisstraße (K 425) in Richtung Großenrode. Allerdings gab
es bereits aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg Hinweise dafür, dass sich hier auf dem
"Feldberg" eine steinzeitliche Siedlung
befunden haben könnte. Bereits durch die Aktivitäten des Großenroders Lehrers
Wöbbeking, des Northeimer Studienrates Hueg, sowie des Landwirtes W. Grote hatten sich
diesbezügliche Anhaltspunkte ergeben. Deren Funde, zumeist Steingeräte, schwere
Arbeitsäxte ("Breitkeile") und Querbeile übernahm nach dem 2. Weltkrieg der
Lehrer P. Dähn bzw. der Landwirt F. Könecke aus Großenrode, in dessen Privatsammlung
schließlich auch Teile von Herrn P. Dähn aufgingen
Nach dem 2. Weltkrieg waren es vor allem die Feldbegehungen von Landwirt
F.Könecke, die zu zahlreichen Fundmeldungen und der Abgrenzung einzelner
Oberflächenfundplätze führten. Die Entdeckung, dass es sich bei den Oberflächenfunden
nicht nur um eine Siedlung, sondern in einem Fundareal auch um eine Grabanlage handeln
könne, geht auf das Ende der 50- Jahre zurück.
Landwirt F. Könecke, der damals die betreffenden Flurstücke gepachtet hatte, pflügte
ca. 1955 erstmals mit einem Schlepper. Dabei entdeckte er auf der Pflugsohle Knochen und
u.a. Teile einer menschlichen Wirbelsäule. Außerdem erkannte er, dass im Bereich
der Knochenfunde auch immer wieder "ortsfremde" Erde an die Oberfläche
gepflügt wurde.
Planungen für einen Neu- bzw. Ausbau der Kreisstraße 425 (Moringen-Großenrode),
wobei wahrscheinlich viel frühgeschichtliches Material zerstört worden wäre, waren der
Grund den betreffenden Acker gründlich zu untersuchen. Die endgültige Untersuchung der
Fundstelle im Jahre 1988 geht auf eine gemeinsame Initiative von F. Köneke, Frau U.
Werben (Einbeck), des Seminars für Ur- und Frühgeschichte Göttingen, des Landkreises
Northeim, der Stadt Moringen und des Instituts für Denkmalpflege (Hannover) zurück.
Die Ausgrabungsarbeiten wurden von Dr. Heege, heute Stadt-Archäologe in Einbeck,
geleitet.
In der Zeit der Ausgrabungen entpuppte sich der Feldberg als ein wahres
Schatzkästchen, das Ergebnis der Ausgrabungen kann sich sehen lassen. Es wurden
Siedlungsspuren aus vier verschiedenen Epochen festgestellt.
Hinterlassenschaft der ältesten Epoche ist ein einzelner dreieckiger Mikrolith des frühen
Mesolithikums (ca. 7000 v.Chr.), der wohl ursprünglich als Pfeilbewehrung
diente.
Die folgende Besiedlungsphase auf dem Feldberg begann um 4800 v.Chr.
Menschen der frühen Rössener Kultur errichteten eine unregelmäßig
ovale Befestigungsanlage von mehr als 150 Meter Durchmesser, bestehend aus Graben,
Palisade und Wall, von der sich vor allem die mit Schwarzerde verfüllten Grabenabschnitte
besonders gut erhalten haben. Neben zahlreichen Knochenfunden fand sich auch ein fast
vollständiger Kugelbecher.
In Bereich des Innenraumes ließen sich, erstmalig für Niedersachsen, sieben mehr oder
weniger vollständige Hausgrundrisse in sehr gedrängter Lage nachweisen. Die
vollständigen Grundrisse sind 29 Meter bzw. 24 Meter lang und maximal 8 Meter breit.
Aufgrund der Innenbesiedlung kann in Großenrode wohl davon ausgegangen werden, dass es
sich um eine befestigte Siedlung und nicht um eine Befestigungsanlage im
Sinne einer Fluchtburg gehandelt hat.
Aus der Zeit fast 2000 Jahre später, also ca. 3300 bis 2800 v.Chr.,
fanden sich auf dem Feldberg zwei Kollektivgräber.
Kollektivgrab I wurde 1988 entdeckt, das Kollektivgrab II wurde 1989 etwa 70 Meter
südlich des ersten Grabes gefunden und ist in einem besseren Erhaltungszustand als Grab
I. Insbesondere das Kollektivgrab II zeigte interessante Funde:
Bildmaterial: A. Heege, Nur eine Kreisstrasse... Archäologische Funde und Befunde
beim Ausbau der Kreisstrasse 425 Moringen-Großenrode 1988-1990. Neue Ausgrabungen und
Forschungen in Niedersachsen Bd. 20, 1992, 27-80.
Bild: A. Heege, Großenrode 1989 - Ergebnisse und Perspektiven. Südniedersachsen,
Zeitschrift für Heimatpflege und Kultur, Juni 1990, 64-68.
Locker über das gesamte Ausgrabungsareal fanden sich Spuren der vierten und letzten
Nutzungsperiode des Feldberges, der jüngeren Bronzezeit / ältere vorrömische
Eisenzeit (ca. 1000 bis 400 v.Chr.). Es handelt sich dabei um zusammenhanglose
Pfostenstandspuren, Gruben und zahlreiche Spuren umgestürzter Bäume.
Der Feldberg hat noch längst nicht alle Geheimnisse freigegeben.
Im Sommer 1998 wurde der Eingang des Kollektivgrabes mit den Originalsteinen am
südlichen Ortseingang von Großenrode rekonstruiert.

Seelenlochstein und Wächterstein
Quellen: Arbeiten von Dr. A.Heege (Einbeck), F.Könecke (Großenrode)
Literatur:
A. Heege, Großenrode 1989 - Ergebnisse und Perspektiven. Südniedersachsen,
Zeitschrift für Heimatpflege und Kultur, Juni 1990, 64-68.
A. Heege, Rössener Erdwerk und jungneolithisches Kollektivgrab - Grossenrode, Stadt
Moringen, Ldkr. Northeim - Ausgrabungskampagne 1988. Nachrichten aus Niedersachsens
Urgeschichte Bd. 58, 1989, 71-116.
A. Heege, Nur eine Kreisstrasse... Archäologische Funde und Befunde beim Ausbau der
Kreisstrasse 425 Moringen-Grossenrode 1988-1990. Neue Ausgrabungen und Forschungen in
Niedersachsen Bd. 20, 1992, 27-80.
A. Rost, Siedlungsarchäologische Untersuchungen zwischen Leine und Weser. Zur
Besiedlungsgeschichte einer Mittelgebirgslandschaft. Göttinger Schriften zur Ur- und
Frühgeschichte Bd. 24 (Neumünster 1992).
Weiterführende Literatur:
E. & A. HEEGE, Die Häuser der Toten. Jungsteinzeitliche Kollektivgräber im Ldkr.
Northeim. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens Bd. 16 (Hildesheim 1989).
mit Anregungen von Christoph Rinne , Seminar für Ur-u. Frühgeschichte, Göttingen
Letzte Änderung: 27.08.2001 |

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